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Wim Wenders präsentiert 3D-Dokumentarfilm "Il Volo" (Der Flug)

Eigentlich zieht es Regisseur Wim Wenders nach Kalabrien, um einen fiktiven Kurzfilm über Migranten zu drehen. Doch dann holt die Realität die Fiktion ein. Im Ort Riace lernt einen Flüchtlingsjungen aus Afghanistan kennen, verwirft sein ursprüngliches Projekt und beschließt, die wahren Schicksale der Menschen des Ortes zu erzählen. „Plötzlich stellte ich fest, dass mich die Geschichte der Kinder mehr anzog als die eigentliche Geschichte, die ich gerade drehte.“ Herausgekommen sind eine Kurzfilm-Fassung und eine Fassung mit 32 Minuten Länge.

Vor einigen Jahren noch verwandelt sich Riace immer mehr in eine Geisterstadt. Auf der Suche nach Arbeit gehen in den 70er-Jahren erst die Bewohner, dann schließen die Geschäfte, letztendlich auch die einzige Bar des Ortes. Vor dem endgültigen Untergang des Ortes wagt Bürgermeister Domenico Lucano jedoch einen ungewöhnlichen Schritt: Er siedelt Flüchtlinge, Asylsuchende und anderen Illegale aus Ländern wie Afghanistan, Somalia, Eritrea und dem Irak an, um den Ort neu zu beleben.

Die UN-Flüchtlingskommissariat UNHCR spricht gar von einem Vorzeigemodell: Bürgermeister Lucano gründet eine Gesellschaft, über welche die Migranten und Flüchtlingen die leer stehenden Häuser der Stadt kostenlos bewohnen können. Einzige Bedingung: Verpflichtung zur Arbeit und zum Erlernen der italienischen Sprache. Mit der Zeit siedeln sich Kunstgewerbe und Händler wieder an, ziehen so Touristen an – Riace lebt wieder.

Der Dokumentarfilm „Il Volo“ (Der Flug) feierte am vergangenen Freitag in Rom seine Premiere. Er porträtiert Flüchtlinge und Wanderarbeiter in einem positiven Licht. Gedreht in 3D geht der Film in einer ganz neuen Weise wortwörtlich „in die Tiefe“. Er zeigt eine bisher unbekannte Dimension, mit einer Problematik umzugehen, die bisher oft nicht mehr als ein paar Negativschlagzeilen produziert.

„Die schlechten Nachrichten interessieren mich nicht“, sagt Wenders in einem Interview. Deshalb zeigt sein Kurzfilm eine einseitige Betrachtung der Situation. Schade nur, dass nur Wenige die Möglichkeit haben werden, in die dritte Dimension des Films einzutauchen. Vermutlich wird der Kurzfilm weder in Italien noch in Deutschland die Möglichkeit haben, einem breiten Publikum vorgestellt zu werden. Aber vermutlich interessiert Wenders auch diese schlechte Nachricht nicht.

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