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Hunderte von Flüchtlingen brechen aus Auffanglager auf Lampedusa aus

Hunderte von Flüchtlingen haben in einer einzigartigen Protestaktion ihr umzäuntes Aufnahmelager auf der süditalienischen Insel Lampedusa verlassen. Die Immigranten, welche überwiegend aus Tunesien stammen, stürmten aus Angst, von Lampedusa aus direkt abgeschoben zu werden, am Samstagmorgen die Gitter am Eingang des heillos überfüllten Auffanglagers und bewegten sich in Richtung Rathaus der Stadt. Dort forderten sie unter Applaus der Inselbewohner, in ein Lager in Apulien auf dem Festland gebracht zu werden.

Die Polizei hielt sich zurück, gegen Mittag kehrten die Demonstranten zunächst in das Zentrum zurück.

Ministerpräsident Silvio Berlusconi beruhigte die Inselbewohner. Diese sollten „nicht nervös werden“, es sei „alles unter Kontrolle“. Es sei zudem keine Flucht gewesen. „Das ist doch kein Konzentrationslager. Es steht ihnen frei, sich ein Bier holen zu gehen.“ Innenminister Roberto Maroni werde am Dienstag mit dem tunesischen Präsidenten Ben Ali die Einzelheiten zur Rückführung der etwa 1200 Tunesier besprechen.

Nach Angaben des Innenministerium sei die Aktion keine „Flucht“ gewesen, da in der Anlage keine Anwesenheitspflicht gelten würde. Daher sei auch die Polizei nicht eingeschritten. Zudem wurden Medienberichte korrigiert, die erst von 1300 Flüchtlingen sprachen. Laut Aussagen des Ministeriums hätten 650 das Lager verlassen. Eine Sprecherin des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHR) nannte die Protestaktion hingegen einmalig, zumal es eine „geschlossene“ Anlage sei.

Seit Tagen protestieren auch die Bewohner der kleinen Insel gegen die ihrer Meinung nach unhaltbaren Zustände. Etwa 1800 Einwanderer drängen sich erneut im Lager, welches jedoch nur über 800 Betten verfügt. Die Proteste der Insulaner richten sich vor allem gegen die erst vor kurzem erteilte Anweisung des Innenministers, wonach ankommende Einwanderer dort bleiben sollen, um diejenigen, denen kein Asylrecht in Italien gewährt wird, gleich wieder nach Nordafrika abschieben zu können. Bereits am Mittwoch warnte Insel-Bürgermeister Bernardino De Rubeis: „Sollten Unruhen ausbrechen, bestünde eine ernsthafte Gefahr nicht nur für die Menschen in dem Aufnahmelager, sondern auch für die Polizisten und für uns.“

Die 20 Quadratkilometer große Insel zwischen Sizilien und Nordafrika gilt vielen Verzweifelten als das Sprungbrett in ein besseres Leben in europäischen Ländern wie Italien, Frankreich und Deutschland. Jährlich treten Zehntausende von Nordafrika aus die gefährliche Fahrt über das Mittelmeer an. Allein auf Lampedusa strandeten im vergangenen Jahr rund 31.000 Immigranten

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