Filmtipp: MIA MADRE ab 19. November im Kino

miamadreFilmregisseurin Margherita (Margherita Buy) steckt mitten in einer Midlife-Crisis. Gerade hat sie sich von Ihrem Freund getrennt, ihre Tochter Livia (Beatrice Mancini), die beim Vater lebt, geht langsam eigene Wege und der amerikanische Hauptdarsteller (John Turturro) ihres neuen Filmes bringt mit seinen Starallüren die Dreharbeiten ins Stocken. Zu all dem kommt hinzu, dass ihre Mutter (Giulia Lazzarini) im Krankenhaus liegt und die Situation keine Hoffnung auf Genesung zulässt. Während ihr Bruder Giovanni (Nanni Moretti) sich liebevoll um die Mutter kümmert, ist seine Schwester mit der Situation völlig überfordert und entwickelt Schuldgefühle. Zwischen Krankenhaus und Drehorten wird ihr langsam klar, was im Leben wirklich wichtig ist: Zeit mit ihren Lieben zu verbringen und das Vermächtnis ihrer Mutter zu beherzigen – die Lektion Leben, die sie ihr erteilt hat, und die Erinnerung, die in ihr weiterleben wird.

Trailer

Shots from "Mia Madre" Nanni Moretti, das ‚enfant terribile‘ der italienischen Filmszene, gehört zu den eigenwilligsten und bedeutendsten Regisseuren in Italien. Ein Intellektueller, Kommunist und Kritiker, der den Politikern gerne auf die Finger schaut. Nach seinem erfolgreichen Film HABEMUS PAPAM 2011 nimmt Moretti in MIA MADRE Abschied von der Mutter, was durchaus autobiografische Züge
trägt. Er hat einen wundervoll starken und einprägsamen Film realisiert: ein tiefgründiges und gleichzeitig humorvoll, sensibles Meisterwerk. Er verknüpft die drückende Atmosphäre im Krankenhaus und das Durcheinander am Set mit Margheritas Erinnerungen und Träumen. So entsteht ei Relief ihrer Emotionalität inmitten eines sozialkritischen Films.

Shots from "Mia Madre"Moretti gedenkt mit dem Film seiner verstorbenen Mutter, spricht aber auch über die Bedeutung von Kino, über Realität und Fiktion sowie über die Rolle der Arbeit, und was sie für den Einzelnen bedeutet.

MIA MADRE ist vielleicht Morettis persönlichster Film. Anhand der Figur, mit der er Margherita Buy betraut, spricht er eigentlich von sich selbst und erzählt von seinen Gewohnheiten, Neurosen und seiner Arbeitsmethode. Er thematisiert das Unbehagen, das wir empfinden, wenn es um das Thema Tod geht, erzählt aber auch davon, wie wichtig es ist, sich umeinander zu kümmern, von der Liebe und davon, dass es ein Morgen gibt. Der Film ist unbedingt politisch und ein Plädoyer für mehr Leichtigkeit des Seins.

Mia MadreNach DER ITALIENER („Il Caimano“, 2006) und HABEMUS PAPAM (2011) arbeitet Margherita Buy, Muse vieler italienischer Regisseure und Publikumsliebling, hier zum dritten Mal mit Moretti zusammen.

John Turturro brilliert als nerviger Hauptdarsteller, der seiner Regisseurin das Leben schwer macht. Die große Giorgio Strehler-Darstellerin Giulia Lazzarini spielt die Mutter mit Eloquenz und Souveränität. Moretti, Festivalliebling in Cannes, war in diesem Jahr zum siebten Mal auf der Croisette vertreten. Sein Film lief dort im Wettbewerb und gewann den Preis der Ökumene.

MIA MADRE wurde auch für die „Special Presentations“ beim Filmfestival in Toronto ausgesucht.

Moretti verflicht geschickt die filmische Wirklichkeit im Krankenhaus und an Margheritas Arbeitsplatz, dem Set zu einem sozialkritischen Film, mit Margheritas Erinnerungen und Träumen. Dadurch entsteht ein präzises, vielschichtiges Bild ihres emotionalen und mentalen Zustandes – entstanden ist ein wunderschöner Film.
Wenke Husmann, zeit online

Shots from "Mia Madre"MIA MADRE
von NANNI MORETTI
mit Margherita Buy, John Turturro, Giulia Lazzarini, Nanni Moretti & Beatrice Mancini
Italien, Frankreich 2015
KINOSTART: 19. NOVEMBER 2015

MIA MADRE ist eine italienisch-­französische Koproduktion von SACHER FILM, FANDANGO und RAI CINEMA in Koproduktion mit LE PACTE und ARTE France Cinéma.

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