Erster Ferragosto ohne Maître Don Camillo

Abendlicht in Forio auf Ischia - Camillo Monichetti sorgte über fünf Jahrzehnte für unvergessliche Abende bei seinen Gästen. Foto: Dieter Jaeschke

Italien lebt von seinen Geschichten – und von den Menschen, die sie schreiben. Camillo Monichetti ist eine dieser Geschichten. 51 Jahre lang prägte er als Maître das touristische Antlitz Ischias, bediente Gäste wie Angela Merkel und erlebte den Wandel der Insel aus nächster Nähe. Mit seinem Rückzug in den Ruhestand endet eine Ära, die es verdient hat, festgehalten zu werden. Denn hinter den Kulissen der großen Hotels und der malerischen Terrassen stehen oft Menschen wie er: bescheiden, professionell und mit einer Leidenschaft für ihren Beruf, die weit über den Service hinausgeht. Dieses Porträt soll ihnen ein Gesicht geben.

Nach 51 Jahren im Dienst am Gast hat Camillo Monichetti (64) Anzug und Fliege abgelegt. Der Maître, der jahrzehntelang das touristische Gesicht Ischias prägte, genießt nun seinen Ruhestand – meist im eigenen Gemüsegarten. Doch ganz loslassen kann er offenbar nicht: Bei besonderen Veranstaltungen soll er noch immer als Eventcaterer im Einsatz sein.

Ein Leben für den Service – Camillo Monichetti, der Maître, der Ischias Tourismus über fünf Jahrzehnte prägte.
Foto: Dieter Jaeschke

Ein Leben für den Tourismus auf Ischia

Camillo Monichetti ist ein Urgestein des ischitanischen Tourismus. 1975 begann er als schwarzgelockter Teenager im Ristorante „Da Rino“ an der Marina von Forio, balancierte Teller zu den Tischen. Die Winter verbrachte er in Davos, St. Moritz oder New York, doch in der stagione zog es ihn immer wieder zurück nach Ischia, seine geliebte Heimatinsel. Vom Kellner arbeitete er sich hoch zum Maître, von kleinen Ristoranti in die großen Häuser der Insel.

Mit Professionalität und Bescheidenheit bediente Monichetti jahrzehntelang Gäste in den großen Hotels Ischias.
Foto: Dieter Jaeschke

25 Jahre lang prägte er das „Miramare“, einst das Kulthotel Ischias im malerischen Sant’Angelo. Hier bediente er auch Angela Merkel, die regelmäßig zu Gast war. Die Atmosphäre auf der Terrasse des „Miramare“ beschrieb die Süddeutsche Zeitung 2008 so: „In Leinen und Seide gehüllte Italiener mit der Yacht vor der Bucht machen sich über Meeresgetier und köstliche Weißweine her. Werden Antipasti und Pasta-Gerichte noch beim letzten Tageslicht serviert, bricht zum zweiten Gang die Nacht herein. Romantiker dehnen das Mahl über den ganzen Abend aus, weil sie sich vom Blick auf die Maronti-Bucht einfach nicht lösen können.“ Für die einen ein Sehnsuchtsort, für Monichetti der Arbeitsplatz eines Lebens.

Die letzten elf Jahre leitete er das Hotelrestaurant im „Paradiso Terme“ der Familie Romano – wie er selbst in Forio geboren. Kollegen und Gäste erinnern sich gern an ihn. „Un vero signore“, sagt Anna Impagliazzo, die mit ihm im „Paradiso“ arbeitete. „Ein Herzensmensch, elegant in jeder Hinsicht“, so die Dortmunderin Evelyn (55), die ihn in beiden Hotels als Gast erlebte. „Ein Maître mit Stil, wie er heute selten geworden ist.“

Ein Mann der Bescheidenheit

Monichetti genießt die Sympathiebekundungen in Stille. Der klischeehaft-theatralische Auftritt war nie sein Ding. Stattdessen: „Semplicità e professionalità“ – Bescheidenheit und Professionalität. 2026 ist der erste Ferragosto, den er nicht im Dienst verbringt. Am liebsten hütet er nun seinen eigenen orto, den Gemüsegarten. Doch ganz kann Don Camillo offenbar noch nicht loslassen.

Ischia

Grafik: Andy king50 licensed under CC BY-SA 3.0
InformationDetails
RegionKampanien
ProvinzNeapel
LageGolf von Neapel, Tyrrhenisches Meer
Fläche46,3 km²
Einwohnerca. 62.000 (Stand 2023)
Größte OrteIschia (Hauptort), Forio, Casamicciola Terme, Lacco Ameno, Barano d’Ischia, Serrara Fontana
BesonderheitenThermalquellen, grüne Hügel, Maronti-Bucht, Sant’Angelo
Touristische HighlightsCastello Aragonese, Giardini La Mortella, Negombo Thermalpark, Epomeo-Berg (789 m)
Kulinarische SpezialitätenConiglio all’ischitana (Kaninchenragout), Casatiello (Osterkuchen), Limoncello
AnreiseFähre von Neapel (Porta di Massa oder Beverello) oder Flug zum Flughafen Neapel, dann Weiterfahrt per Fähre (ca. 1–1,5 Stunden)
Beste ReisezeitMai bis September (Ferragosto, 15. August, ist Hochsaison)
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Von Dieter Jaeschke

Dieter Jaeschke schreibt seit seinem 17. Lebensjahr u.a. für WAZ, Ruhr Nachrichten und die Süddeutsche Zeitung. Der studierte Italianist und Geschichtslehrer arbeitete viele Jahre im Ausland für ein deutsches Schulprogramm. 2014 erschien sein Reportagenbuch Italienische Reisen. Süditalien begeistert ihn seit seiner Kindheit.