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"La bellezza d’Italia" ist manchmal nicht Grund genug

„111 Gründe Italien zu lieben. Eine Liebeserklärung an die Kunst zu leben.“ – das ist der Titel dieses 2012 bei Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienen, 250 Seiten starken Buches. Was macht Italien aus? Wie ist es wirklich – im Alltag? Beate Giacovelli versucht ihr erlebtes Italien in 111 Gründe zu verpacken, gegliedert in 11 Kapitel.

Die Autorin hat ihren Lebensmittelpunkt von Österreich nach Süditalien gelegt, sich auf einen italienischen Mann und Alltag eingelassen und sich in ihrer neuen famiglia durchzusetzen gelernt. Das ist wunderbar und bietet ein paar wirklich schöne Geschichten aus dem Leben gegriffen. Auch die brennende Liebe für Italien ist deutlich spürbar. Das Essen, die Landschaft, die Menschen, der italienische Alltag.

Und dennoch springt der Funke bis zur letzten Seite nicht über. Hauptsächlich abgehackte Sätze stören den Lesefluss. Ständige Aufzählungen und völlig übertrieben blumige Adjektive rauben die eigene Phantasie und die bellezza della parola scritta. Das Buch hat ein strukturiertes Inhaltsverzeichnis: Warum wird andauernd, fast pedantisch, auf andere Kapitel hingewiesen? Und dann auch noch immer auf dieselben? Klar, die Italiener sind sehr bedacht auf ihre bella figura und ja, die mamma oder nonna stehen ewig in ihren Küchen, aber nach dem dritten Hinweis darauf reicht es dann auch.

Ein wirklich gravierender Fauxpas ist aber die Entscheidung von Signora Giacovelli, ihre durchaus charmant eingebauten italienischen Wörter zu übersetzen. Aus welchem Grund? Ob der Leser der italienischen Sprache mächtig ist oder nicht ist hierbei doch irrelevant. Diese erzwungenen Unterbrechungen stören massiv. Schade.

Auch inhaltlich ist das Buch nicht rund. Das Konzept, Kapitel eigenständig lesen zu können, nach Lust und Laune, ist klasse, jedoch bedingt durch die Reihe „111 Gründe“. Aber gut: Viele italienische Eigenheiten und Kuriositäten werden erfasst und in netten Anekdoten erzählt. Die persönliche Erfahrung der Autorin gibt dem Ganzen dann einen realen Humor. 111 Gründe sind aber zu viel für die persönliche Schiene, denn bereits nach der Hälfte scheint der Inhalt sich zu wiederholen, die Gründe fließen ineinander und man erfährt nichts Neues.

Fazit:

„111 Gründe Italien zu lieben“ ist kurzweilig, weil es nicht als Buch von Seite eins bis 250 gelesen werden muss. Es ist unterhaltsam, wenn man nicht zu viel erwartet. Wenn man Italien gut kennt, werden manche Situationen sicher eigene Erinnerungen wach rufen. Der Stil ist jedoch sperrig und mühsam, der Inhalt leider nicht anhaltend unterhaltsam oder interessant. Ein Buch über Italien sollte italienische Begrifflichkeiten beinhalten – diese stetig zu übersetzen ist vergleichbar mit einem unverstandenen Witz, der erklärt werden muss. Wie die Autorin selbst sagt: „Quant’è bella l’Italia entdeckt nur, wer sich auf den Weg macht.“

Beate Giacovelli
Beate Giacovelli.
Foto: Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag

Die Autorin:

Beate Giacovelli, 1967 geboren, war Redakteurin bei einem Reisemagazin, bevor sie kündigte, um zuerst nach Schottland und vier Jahre später nach Italien auszuwandern. Heute arbeitet sie als Journalistin für ein österreichisches Frauenmagazin. Die Autorin ist mit einem Süditaliener verheiratet, hat einen sechsjährigen Sohn und lebt in der Lombardei. „111 Gründe, Italien zu lieben“ ist ihr Erstlingswerk.

Beate Giacovelli

111 Gründe, Italien zu lieben – Eine Liebeserklärung an die Kunst zu leben

„111 Gründe, Italien zu lieben“ bei Amazon
256 Seiten, Taschenbuch
9,95 EUR (D)
ISBN 978-3-86265-129-0
Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2012

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