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Hintergrund: Mafiasysteme in Italien – DIE SACRA CORONA UNITA (Apulien)

Die Sacra Corona Unita (SCU) wurde am 25. Dezember 1983 von Guiseppe Rogoli im Gefängnis von Bari gegründet. Damit wollte er den Übernahmeversuchen durch die Neue Camorra unter Raffaele Cutolo widerstehen, die sich in Apulien niederzulassen plante. Auch die ‚Ndrangheta und die Cosa Nostra hatten seit Ende der 1970er Jahre versucht, in der Region Fuß zu fassen. Die SCU war entschlossen, ihr Gebiet gegen die Begehrlichkeiten der anderen Gruppen zu verteidigen, besonders auf der Halbinsel von Salento. Apulien wurde in Territorien unterteilt, die mit den Hauptzentren korrespondierten, mit Lecce, Brindisi und Tarent. Die jeweiligen regionalen Paten erlangten schnell ihre Autonomie. Mehrere von ihnen, darunter Manta, Baiguera, Bizotto und Di Padovano, befanden sich in den 1980ern praktisch permanent im offen ausgetragenen Krieg und blieben trotzdem stets in der Lage, sich gegen die Einflussnahme von außen zu verbünden. Mehrere Familien sind in die Schweiz, nach Belgien und nach Deutschland ausgewandert, halten aber immer noch einen Teil der Macht in ihren Händen. 1990 hat die Gruppe mehrere Anschläge auf Gerichte in Lecce verübt. Seither gilt sie offiziell als mafiöse Organisation.

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Zahlen

Heute zählt die SCU über 2.000 Mitglieder, aufgeteilt in 47 Familien. Etwa 600 Finanzgesellschaften mit „mafiösem Touch“ erlauben ihr, schmutziges Geld zu waschen.

Tätigkeitsbereiche

Die Organisation beschäftigt sich vornehmlich mit dem Schmuggel von Tabak, vor allem in den Gebieten um Brindisi, Foggia und Bari, aber auch in Ex-Jugoslawien, von Rauschgift (Anatolien), mit Erpressung (die Hälfte der Händler von Bari gibt an, Schutzgeld zu zahlen), mit Waffenhandel (Raketenwerfer, Kalaschnikows, Sprengstoff), mit Glücksspiel und mit dem Einschleusen illegaler Einwanderer (Chinesen, Türken, Pakistani oder Albaner). Die strategisch günstige Lage der Meerenge von Otranto stärkte die SCU in den 1990er Jahren noch mehr, nachdem die Kriege auf dem Balkan die Beförderung von Heroin über den Landweg unmöglich gemacht hatten. Im Jahr 2000 war das von der SCU kontrollierte Gebiet die größte europäische Schleuse für Drogen, Waffen und illegale Einwanderer. Die SCU ist eine der jüngsten Organisationen unter den italienischen Mafias, was sie nicht davon abhält, ihre Autonomie zu wahren. Sie sammelt ihre jungen Rekruten ganz besonders dynamisch und aggressiv.

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